Klimaschutz verliert zwar an politischem Momentum, doch die Kreislaufwirtschaft rückt stärker denn je in den Fokus. Sie zählt zu den wirksamsten Hebeln der Dekarbonisierung und entwickelt sich gleichzeitig zu einem Milliardenmarkt, der Europas Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit stärken kann. Für Unternehmen entsteht damit ein strategisches Momentum: Zirkuläre Modelle erschließen neue Wertschöpfung, reduzieren Abhängigkeiten und machen Organisationen resilienter. Gleichzeitig zeigt sich, dass vielen Betrieben klare Daten, Bewertungslogiken und praktikable Entscheidungshilfen fehlen – genau dort liegt das größte Transformationspotenzial.

Klimaschutz ist out. Zumindest auf der aktuellen, politischen Agenda. Gleichzeitig scheint Kreislaufwirtschaft einen wahren Aufschwung zu erleben. Warum? Wir zeigen, welches Potenzial in zirkulären Geschäftsmodellen steckt und warum Unternehmen sich lieber früher als später damit beschäftigen sollten.
Das 21. Jahrhundert stellt die Menschheit vor enorme ökologische Herausforderungen. Der weltweite Material-Fußabdruck ist allein zwischen den Jahren 2000 und 2017 um 70 % gestiegen. Forscher:innen rechnen mit einer weiteren Verdoppelung in den kommenden 30-40 Jahren. Schon heute gehen die Hälfte aller Treibhausgasemissionen und 90 % des Biodiversitätsverlusts sowie des Wasserstresses auf die Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen zurück. Recycelte Rohstoffe machen aktuell nur 6 % der weltweit verwendeten Materialien aus. (Quelle: Österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie 2022).
Diese Zahlen zeigen: Klimaschutz und Ressourcenschutz sind zwei Seiten derselben Medaille. Kreislaufwirtschaftsmaßnahmen allein haben das Potenzial die weltweiten THG-Emissionen um mehr als 50% zu reduzieren und gleichzeitig Geld und Ressourcen zu sparen.
Die Verringerung des Ressourcenverbrauchs ist damit eine der zentralen Stellschrauben für eine nachhaltige Entwicklung. Doch sie verlangt mehr als Effizienzsteigerung, sie erfordert eine fundamentale Transformation: weg von der linearen „take–make–use–waste“-Wirtschaft, hin zur Kreislaufwirtschaft, in der Materialien, Produkte und Komponenten möglichst lange im Umlauf bleiben. Damit das gelingt, braucht es jedoch neue Denkweisen, neue Geschäftsmodelle und intelligente, digitale Werkzeuge.
Das Thema Kreislaufwirtschaft zählt zu den strategischen Schwerpunkten der europäischen Nachhaltigkeitspolitik. Trotz der mit der Omnibus-Verordnung angestrebten Entbürokratisierung hält die EU klar an ihrer zirkulären Agenda fest. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus Asien und den USA zu verringern, die Versorgungssicherheit zu stärken und den europäischen Wirtschaftsstandort resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen.
Kreislaufwirtschaft wird auch als wichtiger Wachstumstreiber für die europäische Wirtschaft gesehen. Der Gesamtmarkt der Kreislaufwirtschaft wurde 2023 auf USD 556 Mrd. geschätzt, mit Projektionen bis 2030 auf über USD 1.300 Mrd. (Quelle: nextmsc.com).
Gerade Österreich spielt in der Kreislaufwirtschaft eine bedeutende Rolle. Zahlreiche Weltmarktführer im Bereich Recyclingtechnologien – etwa in der Kunststoffaufbereitung, Metallrückgewinnung oder Abfalllogistik – sind hier beheimatet. Diese starke industrielle Basis, kombiniert mit Forschungskompetenz und umweltpolitischem Anspruch, macht Österreich zu einem wichtigen Treiber der europäischen Kreislauftransformation.
Die Österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie (2022) definiert Kreislaufwirtschaft anhand von zehn zentralen R-Prinzipien, die als Leitlinie für Unternehmen und Politik dienen: Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle und Recover.
Diese Prinzipien beschreiben die Prioritätenfolge einer zirkulären Wirtschaft – von der Vermeidung und Neugestaltung über Wiederverwendung und Reparatur bis hin zur stofflichen oder energetischen Verwertung.
Bei der Umsetzung von Kreislaufwirtschaft in Unternehmen bestehen aktuell einige fundamentale Hürden:
1. Fehlendes Verständnis in Unternehmen
Viele Unternehmen wissen nicht, wo ihre zirkulären Potenziale liegen. Die 10-R-Grundsätze (Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle, Recover) sind in der Praxis kaum operationalisiert. Wie lassen sich Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle entlang dieser Stufen bewerten und welche Schritte haben den größten Hebel für CO₂-Reduktion? Auf diese Fragen fehlen Antworten.
2. Fragmentierte Datenlandschaften
Daten liegen verteilt in ERP-, Wartungs- oder Nachhaltigkeitssystemen. Es fehlt eine integrierte Analyselogik, die Informationen zusammenführt und mit KI-Methoden zu konkreten Kreislaufpotenzialen verknüpft.
3. Mangel an quantitativen Entscheidungshilfen
Aktuelle Tools fokussieren auf Ökobilanzen oder Recyclingquoten. Doch sie zeigen nicht auf, welche organisatorischen, technischen oder geschäftsmodellbezogenen Maßnahmen – etwa Refurbish, Product-as-a-Service oder Rücknahmesysteme – den größten Einfluss auf Ressourceneffizienz oder Emissionsminderung hätten. Dadurch bleibt Kreislaufwirtschaft in der Praxis häufig auf Recycling beschränkt, also auf den unteren Stufen der R-Logik. Unternehmen fehlt ein intelligentes, skalierbares Instrument, das zirkuläre Chancen sichtbar, bewertbar und umsetzbar macht.
Der EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (2020) fordert daher ausdrücklich, digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) zu nutzen, um nachhaltige Produkte zur Norm zu machen und Abfall zu vermeiden. Auch die Österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie (2022) betont, dass die Chancen der Digitalisierung bislang kaum ausgeschöpft sind.
NetCero setzt genau an der Schnittstelle von Daten, KI und zirkulärer Transformation an.
Eines unserer Schwerpunktthemen für 2026 ist daher der „KI-Potenzialcheck Kreislaufwirtschaft“ der Unternehmen aller Größen und Branchen befähigt, Kreislaufpotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette systematisch zu identifizieren, zu priorisieren und zu monitoren. Die Lösung bildet die österreichischen 10-R-Grundsätze als Bewertungslogik ab und übersetzt sie in konkrete organisatorische, technologische und geschäftsmodellbezogene Indikatoren und Maßnahmen.
Damit wollen wir einen maßgeblichen Beitrag zur Verankerung von Kreislaufwirtschaft in Unternehmen leisten und damit gleichzeitig zur Lösung der Klima- und Ressourcenkrise beitragen.
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